Das Wort des Präsidenten

100 Jahre! Bereits so lange gibt es den Schweizerischen Eringerviehzuchtverband. Im Jahre 1920, in einem Wallis, dass wir nur noch aus Erzählungen und alten Fotos kennen, wurde dieser wichtige und weise Entscheid getroffen, mit der Gründung des Eringerviehzuchtverbandes die Zucht in geordnete Bahnen zu lenken. Damit wurde der Grundstein gelegt, dieses Vermächtnis des alten Wallis in die heutige Zeit zu retten. Dafür gebührt allen, die auf der einen oder der anderen Weise dazu beigetragen haben, unsere Anerkennung und unser Dank. 

Früher, unerlässlich für die Existenzsicherung für viele Familien, faszinierte die Eringerrasse trotz aller wirtschaftlicher Notwendigkeit mit ihrer Kampfeslust und allzu oft wurde die eine oder andere Kuh, nicht wegen ihrer Milchleistung im Stall gehalten. Die Eringerrasse war schon immer Anlass für viel Freude aber auch Leid und Keim für manche Freundschaften, aber leider auch für Zwietracht. Diese Ambivalenz hat sich bis in die heutige Zeit gehalten.

Heute sind Betriebe, welche nur mit Eringerkühen wirtschaften leider seltener geworden. Für die breite Bevölkerung werden die Eringer hauptsächlich bei den Ringkuhkämpfen sichtbar, welche im Laufe des Jahres Land auf Land ab organisiert werden. Die Eringerkuh ist deshalb aber noch lange nicht eine Kampfkuh: sie bleibt ein Mehrnutzungsrind für Milch und Fleisch, mit einer für sie typischen Kampfeslust, mit welcher sie ihre Stellung in der Herde finden und festigen will.

Aber eine Rasse muss sich weiterentwickeln und sich den neuen Gegebenheiten und Anforderungen anpassen. Das Wallis ist nicht mehr wie es früher war. Unsere Landwirtschaft hat nicht mehr den wirtschaftlichen Stellenwert wie anno dazumal. Deshalb ist es wichtig und darüber freuen wir uns, dass das Interesse an dieser einzigarten Rasse auch ausserhalb des Kantons Wallis stetig steigt. Ein geographisch breit abgestützter Bestand ist einer der Eckpfeiler für die langfristige Erhaltung dieser einmaligen Rasse. 

Eine der Aufgaben der Schweizerischen Eringerviehzuchtverbandes für die Zukunft wird deshalb sein, diese wunderschöne und faszinierende Bergrasse im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit als ein einmaliges Kulturgut zu verankern. Eine Rinderrasse, mit einer langen und faszinierenden Vergangenheit und hoffentlich einer noch längeren Zukunft.

Lasst uns also diesen hundertjährigen Geburtstag gebührend feiern und blicken wir zurück was war, aber blicken wir auch voraus. Stellen wir uns den Herausforderungen der Zukunft und akzeptieren wir, dass sich die Zeiten geändert haben.