Herdenbestand

Verbreitungsgebiet

Diese Rasse ist vor allem im Wallis anzutreffen. Ihr traditionelles Hauptverbreitungsgebiet entsprach in etwa den natürlichen geographischen Grenzen, nämlich der Pfynwald im Osten und das Rhoneknie bei Martinach im Westen. Diese Region war von derselben Kultur geprägt, hatte den gleichen französisch-provenzalischen Dialekt und wies auch grosse Ähnlichkeiten in Bezug auf die alpine Landwirtschaft wie z.B. Alpbewirtschaftung und Herdenmanagement auf.

Wie die Viehzählung von 1911 zeigt, war die Eringerrasse schon damals mit mehreren hunderten von Tieren im ganzen Oberwallis vertreten. Vor allem aber seit dem Rückgang der Viehwirtschaft in den 1960er Jahren, erfreute sich die Eringerrasse immer grösserer Beliebtheit und wurden anderen Rassen vorgezogen.

Ergebnis der eidgenössischen Viehzählung von 1911 und 1936 (Eringerrasse des Kantons Wallis)

District/BezirkRace d'Hérens/Eringerrasse
 19111936
Brig (Brigue)8457
Goms (Conches)212
Leuk (Loèche)101130
Westlich Raron (Rarogne occ.)16968
Östlich Raron (Rarogne orient.)10143
Visp (Viège)228209
Oberwallis (Haut-Valais)685519
Conthey4'9155'034
Entremont5'6095'034
Hérens (Ering)6'8046'482
Martigny (Martinach)3'1394'510
Monthey75118
St.-Maurice211171
Sierre (Siders)5'3495'655
Sion (Sitten)2'9083'180
Bas-Valais (Unterwallis)29'01030'495
Valais29'69531'014

 

Entwicklung der Viehbestände

Der Rindviehbestand im Wallis ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts stark zurückgegangen. Die Bestände der Eringerrasse sind vor allem seit den 1960er Jahren noch stärker gesunken und erreichten 1983 mit 12.110 Tiere einen Tiefpunkt. Heute beträgt der Anteil der Eringerrasse weniger als 1% des gesamten schweizerischen Viehbestandes.

Bis 1956 war der Rückgang der Eringerbestände im Verhältnis zum kantonalen Viehbestand identisch oder sogar leicht schwächer. Der stärkere Rückgang ab 1956 erklärt sich zum einen durch die Schaffung von lukrativeren Arbeitsplätzen in Industrie, Handel und Tourismus. Zum anderen durch die Umstellung der pastoralen Viehhaltung auf intensivere Sektoren wie Weinbau, Obstbau und Gemüseanbau. Es war vor allem die Ebene des Zentralwallis und die Hänge des rechten Rottenufers, die diesem Trend unterworfen waren. Diese Regionen waren traditionell Hochburgen der Eringerrasse.

Schwierige Anbaubedingungen, kleinstrukturierte Parzellen und die Bewirtschaftung durch Kleinbetriebe, die im Ausbreitungsgebiet der Rasse stärker verbreitet waren als anderswo, trugen ebenfalls ihren Teil zum starken Rückgang bei.

Daraus kann geschlossen werden, dass der Rückgang hauptsächlich auf geographische und strukturelle Faktoren zurückzuführen ist.

Entwicklung des Walliser Viehbestandes und der Eringerrasse von 1911 bis 2016

 Walliser Viehbestand Eringerbestand 
JahrAnzahl TiereEntwicklung in %Anzahl TiereEntwicklung in %
191168481100.029594100.0
19366346392.730868104.3
19565981787.32768193.5
19783812655.71302944.0
19833596552.51211040.9
19883395549.61260142.6
19933322848.5*1350045.6
20163263747.6*1250042.2

* Schätzung
Quelle: Eidgenössische Viehzählung

Bewirtschaftungsform

Die Tiere werden, je nach Höhenlage der Betriebe, von November bis April in den Ställen gehalten. Im Frühjahr ziehen die Herden vom Tal in die Maiensässe, die sich auf zwischen 1’300 und 1’800 m befinden. Ab Mitte Juni ziehen die Herden dann auf die höher gelegenen Alpweiden, die sich von der Waldobergrenze bis auf 2500 m an den Fuss der Gletscher erstrecken. Die Alpweiden werden im Schnitt während drei Monaten bestossen. Die Alpen sind traditionell als Genossenschaften oder Geteilschaften organsiert und es kommen Herden von unterschiedlich Bauern zusammen, was dann zu den bekannten Kuhkämpfen während der Alpbestossung führt. Eine Eringerherde auf einer Alp zählt 20 bis 140 Tiere. Nach der Alpabfahrt und nach einem kurzen Aufenthalt in den Maiensässgebieten kehren die Tiere im Spätherbst wieder ins Tal zurück.

Sobald die Tiere im Frühjahr auf den Weiden Gras verwerten, wird in der Regel kein zusätzliches Futter mehr hinzugegen. Dies trägt zu einer nachhaltigen und naturnahen Tierhaltung bei.

Da die gesamte Herde der Transhumanz unterliegt, ist ein gestaffeltes Abkalben nicht mit diesem Bewirtschaftungsmodell vereinbar. Rund 80 % der Kälber werden von September bis Dezember und 20 % von Januar bis April geboren. Der Monat November ist mit 40% der Geburten der fruchtbarste Monat.